Euromax Ansichtssache

 

Filmvorführung im EUROMAX cinemas

Die Gruppe ANSICHTSSACHE des Kerpener Netzwerks 55plus zeigt in
Kooperation mit den EUROMAXCinemas Kerpen, Sindorfer Str. 7-21,
jeden 2. Mittwoch im Monat um 15:00 Uhr ausgesuchte Filme.

   Ab Januar 2026 beträgt der Eintritt 7,00 €    

   - Aufzug ist vorhanden -

Nächster Termin:            Mittwoch, 11. 03. 2026 um 15:00 Uhr
                                             Titel des Films:      “Dann passiert das Leben 


Hans (Ulrich Tukur) ist Schuldirektor kurz vor seinem Ruhestand. Doch während seiner Pensionierung immer näher rückt, empfinden er und seine Frau Rita (Anke Engelke) statt Freude einfach nur die pure Angst. Nach 35 Jahren Ehe stehen sie vor der Herausforderung, sich mit ihrer einst leidenschaftlichen, aber mittlerweile eingefahrenen Beziehung auseinanderzusetzen... 

 

...Der gemeinsame Sohn hat das Nest schon lange verlassen, Hans und Rita sind nun also wirklich die ganze Zeit alleine miteinander. Besonders Rita kommt mit dieser Umstellung nicht so gut klar. Dann passiert auch noch ein tragischer Unfall, der sowieso alles verändert und den Blick in die Zukunft trübt... (www.filmstarts.de)

   

  

Genre:          Drama
Regie:           Neele Leana Vollmar        
Besetzung: Anke Engelke, Ulrich Tukur, Lukas Rüppel u.a.

Altersfreigabe:   ab 6 Jahren
Zeit:                    123 Min.

 
 

 Handlung und Hintergrund 

  Dann passiert das Leben
Trotz des Titels sucht man das Leben leider vergeblich
 Von Jochen Werner

„62 ist das neue 50“, lässt sich die Altenpflegerin Rita (Anke Engelke) einmal von ihrer Kollegin Gitti (Maria Hofstätter) sagen. Und überhaupt: Die meisten Frauen in ihrem Alter würden sich ja ohnehin viel jünger fühlen. Sie aber nicht, entgegnet Rita, und tatsächlich: Als ein Ausbund von Energie und Lebenskraft ist Engelkes Figur in „Dann passiert das Leben“ von Regisseurin Neele Leana Vollmar keineswegs angelegt. Diese Rita lebt mit ihrem Ehemann Hans (Ulrich Tukur), einem Schulleiter kurz vor der Pensionierung, weniger zusammen als vielmehr neben ihm her.

Über eine frühere Affäre im Kolleginnenkreis weiß man zwar Bescheid, redet aber nicht mehr darüber. Der erwachsene Sohn ist längst aus dem Haus, meldet sich nur noch selten und erzählt schon gar nicht, was in seinem Leben so los ist. Ein normales deutsches Eheleben also wohl: Man weiß nichts mehr miteinander und mit dem Restleben anzufangen – stattdessen wünscht man sich vage, dass alles irgendwie anders wäre, zankt sich müde ein wenig, tagein, tagaus, und schweigt ansonsten einfach.

Dieses routiniert-resignierte Nebeneinanderherleben prägt die erste Stunde des Films, selbst wenn Neele Leana Vollmar auch einige einschneidende Brüche einstreut: Hans wird pensioniert, Sohn Tom (Lukas Rüppel) kommt zu Besuch – und eröffnet schließlich, als er es gar nicht mehr verschweigen kann, dass Rita und Hans demnächst Großeltern werden. Allerdings erst nach der Abreise, am Telefon. Bloß nicht miteinander reden, solche ungeschriebenen Familiengesetze reichen sich eben von Generation zu Generation immer weiter.

Es passiert also durchaus das eine oder andere in der ersten Hälfte von „Dann passiert das Leben“ – nur das Leben, das passiert eher nicht. Dafür wirkt das auch alles – dramaturgisch, inszenatorisch wie schauspielerisch – viel zu leblos. Und dann, auf halber Strecke, geschieht tatsächlich etwas, das den Film in der zweiten, nicht eben kurzen Stunde inhaltlich noch einmal neu ausrichtet: ein Autounfall, und eben gerade nicht das Leben, sondern der Tod.

Wo ist die Lebendigkeit geblieben?

Ein bisschen tot wirkte aber alles auch schon zuvor. Weder zerquälte Schuldgefühle noch das dem gültigen Arthouse-Klischee geschuldete Wiederentdecken der eigenen Lebendigkeit im Angesicht der Sterblichkeit (hier auch bestenfalls pflichtschuldig nachgereicht) vermögen das Geschehen irgendwie emotional anzureichern. Im Grunde hält „Dann passiert das Leben“ eine einzige Grundstimmung von der ersten bis zur, na gut, vorletzten Szene durch: gedämpft, sprachlos, leblos, in schummerdusterem Halbdunkel, denn die elektrischen Rollläden, die das bürgerliche Eigenheim bereits in der Eröffnungssequenz lichtdicht abschotten, lassen sich dann irgendwann gar nicht mehr öffnen. Achtung: Symbolgehalt!

„62 ist das neue 15“, diese Maxime könnte man wohl vorschlagen für die Position, die „Dann passiert das Leben“ im Regiewerk von Neele Leana Vollmar einnimmt. Denn bisher kennt man diese eher als Regisseurin einer ganzen Reihe wunderbarer Kinder- und Jugendfilme, von „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ bis „Mein Lotta-Leben: Alles Bingo mit Flamingo“. Deren Lebendigkeit, Frische und Witz, bei gleichzeitiger Ernsthaftigkeit, wo thematisch vonnöten, sucht man hier allerdings selbst mit der Lupe vergebens, denn der Sprung von der Kinderkomödie ins Erwachsenendrama misslingt der Filmemacherin leider vollumfänglich.

Überhaupt fragt man sich, warum dieser Generationssprung denn aus dem Grundschulalter direkt ins Best-Ager-Drama führen musste: Kinder und Rentner, sind das die zwei verbliebenen vorstellbaren Zielgruppen des deutschen Kinos? Man muss wohl vermuten, dass „Dann passiert das Leben“ ein Herzensprojekt für Vollmar ist, und nicht etwa bloß eine Auftragsarbeit, zeichnet diese doch neben der Regie auch für das Drehbuch verantwortlich.

Ein echter Autorinnenfilm also – aber einer, bei dem man inständig hofft, dass er nicht gleich eine ganze neue Werkphase einleiten möge. Nun muss Neele Leana Vollmar ganz sicher niemandem mehr ihr Talent als Filmemacherin beweisen – dafür hat sie schon viel zu viele wunderbare Filme auf dem Kerbholz. Diesen misslungenen, freudlosen Ausflug ins Best-Ager-Ehedrama allerdings möchte man am liebsten direkt wieder vergessen und auf die Rückkehr kindlich-jugendlicher Energie und Spritzigkeit in Vollmars künftigen Filmen hoffen.

Fazit: Ein leb- und freudloses Ehedrama, irgendwo zwischen theatralem Zweipersonenstück und mittelgelungenem Fernsehfilm, der sich ins Kino verirrt hat. Im Kinder- und Jugendkino hat die hochtalentierte Neele Leana Vollmar bereits eine ganze Reihe wunderbarer Filme vorgelegt, ihren Ausflug ins Rentnerdrama muss man nun aber leider als weitgehend gescheitert betrachten.  (www.filmstarts.de)

  

                                             >Hier klicken zum Trailer<                                                   Interview zum Film hier klicken

#spiegel-kultur-kino

DER SPIEGEL - Kultur

Wetter in Kerpen

Heute
13°C
Luftdruck: 1014 hPa
Niederschlag: 0 mm
Windrichtung: NNO
Geschwindigkeit: 7 km/h
Morgen
16°C
24.03.2026
18°C
© Deutscher Wetterdienst